Anklam Kleinb
(ab 1950 Anklam West)

ehemaliger Bahnhof in Vorpommern
 
Strecken:
Mecklenburg-Pommersche Schmalspurbahn (MPSB):
  • Anklam - Wegezin-Dennin - Janow
  • Anklam - Leopoldshagen
 
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Anklam liegt um Unterlauf der Peene und geographisch ungefähr auf halbem Wege zwischen Stettin und Stralsund. Östlich von Anklam liegt nur wenige Kilometer entfernt die Südwestspitze der Insel Usedom, nur durch den Peenestrom getrennt. 1283 trat die Stadt dem Bund der Hanse bei und darf sich seitdem Hansestadt nennen.
Weiteres zur Stadtgeschichte habe ich auf der Seite des Bahnhofs Anklam zusammengestellt.
 
Am 19. April 1895 wurde die Strecke Anklam - Dennin (- Friedland) eröffnet. Am 28. August folgte die Strecke nach Leopoldshagen. Beide Streckengleise verliefen ab 1914 bis zum Posten 93 der Hauptbahn (km 174,0) parallel. Das Postengebäude dient heute noch als Wohnhaus. Am Posten 93 überquerte das Streckengleis nach Leopoldshagen die Hauptbahn, gesichert durch Blocksignale auf beiden Strecken und Gleissperren auf der Schmalspurbahn kurz hinter den Blocksignalen C und D. Diese sicherungstechnischen Einrichtung wurden vom Schrankenwärter des Postens bedient. Vom Streckengleis nach Leopoldshagen zweigte hinter dem Posten 93 die Anschlussbahn zur Zuckerfabrik ab. Während der Rübenkampagne wurden täglich bis zu 70(!) Züge zur Zuckerfabrik überführt - viel Arbeit für den Schrankenwärter.
Auch die Strecke nach Gellendin wurde dann von rund 40 Zügen täglich befahren.
 
Der Bahnhof der MPSB befand sich südöstlich des Staatsbahnhofs und besaß ein Verbindungsleis zur ALKB und zum Peene-Hafen sowie mehrere Gleise für den Güterverkehr, darunter ein 540 m langes regelspuriges Überladegleis.
Für den Bau des Anklamer Flugplatzes wurde eine Anschlussbahn dorthin errichtet, die nach Beendigung der Bauarbeiten 1937 wieder abgebaut wurde. Der Flugplatz wurde dann mit einer normalspurigen Anschlussbahn vom Bahnhof der Staatsbahn bedient.
 
Auf dem Bahnhof stand ein zweigeschossiges Empfangsgebäude in Klinkerbauweise. In der Mitte befanden sich eine Eingangstür und rechts und links davon jeweils drei Fenster. Im Obergeschoss war die Fensteranordnung genauso. Links und rechts besaß das Gebäude eingeschossige Anbauten. Im Gebäude hatten die Diensträume, die Fahrkartenausgabe und ein Wartesaal ihren Platz. Oben befand sich die Wohnung des Vorstehers.
Beim Bombenangriff 1943 wurde das Gebäude zerstört und nicht wieder aufgebaut. Stattdessen errichtete man provisorische Baracken.
Am südlichen Bahnhofsende wurde anfangs ein dreiständiger Lokschuppen mit einer Drehscheibe errichtet. Da der Verkehr stark zunahm wurden auch weitere Lokomotiven beschafft. Für deren Wartung wurde 1930 in der Nähe des Empfangsgebäudes ein Ringlokschuppen mit neun Ständen gebaut. Dazu enstand natürlich auch eine Drehscheibe davor. 1944 besaß die MPSB nachweislich 44 Lokomotiven und fast 800 Güterwagen. Der Lokschuppen existiert noch heute und wird privat genutzt.
 
Im Sommer 1945 wurde das über 200 km lange Streckennetz der MPSB demontiert und mit über 300 Wagen und 20 Lokomotiven als Kriegsreparation in die Sowjetunion verbracht. Übrig blieb nur die Strecke Anklam - Friedland.
 
Am 1. April 1949 ging die bis dahin private Bahngesellschaft in das Eigentum der Deutschen Reichsbahn über.
 
Am 31. Mai 1969 führ der letzte Personenzug der MPSB. Der Güterverkehr wurde 27. September eingestellt. Bereits ein Jahr später, Anfang September 1970, waren alle Gleise demontiert. Alle noch vorhandenen Wagen und Lokomotiven wurden verkauft. Die Lok 99 3352 steht seit vielen Jahren mit ein paar Wagen in Friedland in einer Ausstellungshalle.
 
Der ehemalige Kleinbahnhof ist inzwischen nur noch ein Geschichtsrelikt mit einigen Spuren aus einer längst vergangenen aber glorreichen Eisenbahnzeit.
 
2025
Hier lag einst das Gleis vom Bahnhof zum Hafen (Blick in Richtung des ehemaligen Bahnhfs)
 
Gelände des ehemaligen Kleinbahnhofs, rechts der Lokschuppen;
Geradeaus voraus verliefen neben Hauptbahn und dem Gleis der Anschlussbahn zum Flugplatz die Streckengleise nach Leopoldshagen und in Richtung Friedland.
 
Der mehrständige Ringlokschuppen ist immer noch vorhanden und wird privat genutzt.
 
Teil der Rückseite des Schuppens
 

 
     
 
 
© 11.02.2026